Epilepsie


Epilepsie (Krampfanfälle)

Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung Krampfanfälle oder Epileptiforme Anfälle sind plötzlich auftretende unkontrollierte Elektrische Entladungen von Nervenzellen, gekennzeichnet durch Bewusstseinsverlust und unkontrollierten Bewegungen. Die Anfälle dauern wenige Sekunden bis mehrere Minuten. Von Krampanfällen unterscheiden sollte man Synkopen, ein kurzzeitiger Bewusstseinsverlust durch akuten Sauerstoff- oder Blutzuckermangel im Gehirn, meist ausgelöst durch eine Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörungen. Bei Synkopen kommt es nur zum Bewusstseinsverlust ohne krampfartigen Muskelzuckungen. Ursachen für Krampfanfälle können in drei Kategorien eingeteilt werden • Krampanfälle ausgelöst durch Strukturelle Veränderungen im Gehirn • Krampfanfälle ausgelöst durch Stoffwechselerkrankung oder Vergiftung (Metabolische Störung) • Krampfanfälle ohne erkennbare Ursache (Idiopathische Epilepsie) Strukturelle Veränderungen im Gehirn umfassen angeborene Erkrankungen (z.B. Wasserkopf), Tumore, Infektionen oder Entzündungen, Trauma und Durchblutungsstörungen. Liegt eine Neurologische Grundursache vor, sind neben den Anfällen häufig auch andere Neurologischen Symptome wie z.B. Gangstörungen, Ausfälle von Gehirnnerven oder Verhaltensänderungen zu erkennen. Stoffwechselstörungen assoziiert mit Krampfanfällen beinhalten schwere Leber- oder Nierenerkrankungen, Elektrolytstörungen, Unterzuckerung, hoher Blutdruck oder hormonelle Erkrankungen. Eine grosse Anzahl von Giften (z.B. Metaldehyd in Schneckenkörner) können auch zu Krampfanfällen führen. Die Idiopathische Epilepsie hat eine genetische Komponente und tritt familiär gehäuft auf. Eine genetische Veranlagung wurde für Deutsche Schäferhunde, Beagel, Retriever, Berner Sennenhunde und Boxer nachgewiesen, aber auch andere Rassen und Mischlinge können daran erkranken. Rüden sind häufiger betroffen als Hündinnen. Der erste Anfall tritt meistens in einem Alter zwischen 6 Monaten und 4 Jahren auf. Das Alter und die Rasse des Hundes, die Neurologische Untersuchung und das Beschreiben der Anfälle können wichtige Hinweise auf die Grundursache geben. Klinik Einige Hunde zeigen bevor sie einen Epileptiformen Anfall zeigen auffälliges Verhalten wie Hyperaktivität, Rastlosigkeit oder sie verstecken sich. Dies nennt man Präiktale Phase oder Aura, sie ist nicht bei allen Tieren erkennbar. Während einem generalisierten Anfall verlieren die Tiere das Bewusstsein und sind nicht ansprechbar. Sie können umfallen, die Beine sind steif gestreckt oder zeigen Ruderbewegungen. Kaubewegungen, speicheln sowie urinieren und Kotabsatz kann oft während eines Anfalles beobachtet werden. Die Dauer und Heftigkeit der Anfälle ist individuell, meistens dauert ein Anfall mehreren Sekunden bis 15 Minuten. Es gibt auch fokale Epianfälle, dabei sind die Tiere häufig nur desorientiert und es treten Muskelzuckungen im Gesicht oder an einzelnen Gliedmassen auf. Auch hier kann speicheln vorkommen. Nach einem Anfall im postiktalen Zustand können die Hunde kurzzeitig blind sein, oft haben sie starken Hunger, einige sind hyperaktiv und andere sehr müde. Die postiktale Phase kann wenige Minuten bis 24 Stunden dauern. Serienanfälle oder sehr lange Anfälle stellen durch Verkrampfung der Atemmuskulatur, der enormen Muskelaktivität und der Überhitzung (Hyperthermie) eine lebensbedrohende Situation dar und es muss notfallmässig ein Tierarzt aufgesucht werden. Diagnose Die Diagnose Epilepsie kann anhand der Klinik gestellt werden. Um herauszufinden, ob sich eine Grunderkrankung dahinter verbirgt, sind aber Blutuntersuchungen und Bildgebende Diagnostik (MRI) nötig. Um Entzündliche oder Infektiöse Hirnerkrankungen festzustellen, ist es manchmal auch hilfreich den Liquor (Flüssigkeit die das Hirn umgibt) zu untersuchen. Sind alle Untersuchungen normal, kann die Verdachtsdiagnose Idiopatische Epilepsie gestellt werden. Behandlung Wenn eine Grundursache gefunden werden kann, muss diese spezifisch behandelt werden. Abhängig von der Häufigkeit, der Dauer und der Heftigkeit von Anfällen müssen Medikamente (meistens Phenobarbital oder Kaliumbromid) eingesetzt werden um die Krämpfe zu kontrollieren. Die Medikamente müssen in der Regel lebenslang gegeben werden und zeigen Nebenwirkungen wie Müdigkeit und gesteigerten Appetit. Langfristig kann es auch zu Leberschäden kommen. In der Regel wird eine Behandlung begonnen, wenn ein Anfälle häufiger als alle 6-8 Wochen auftreten, mehrere Anfälle innerhalb 24 Stunden vorkommen oder eine unterliegende Grundursache nicht behoben werden kann. Es braucht regelmässige Blutkontrollen um die Medikamenteneinstellung und mögliche Nebenwirkungen zu überprüfen. Prognose Wenn eine allfällige Grundursache behoben werden kann, ist die Prognose gut. Bei der Idiopathischen Epilepsie ist die Prognose in der Regel gut, wenn die Anfälle mit den Medikamenten kontrolliert werden können. Es gibt jedoch sehr hartnäckige Falle, die schlecht auf Medikamente ansprechen. Häufig müssen solche Patienten mit mehreren Tabletten gleichzeitig behandelt werden oder es kommen teure Medikamente aus der Humanmedizin zum Einsatz. Bei einigen Hunden sind die Anfälle trotz allem nicht zu kontrollieren.
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