Kreuzbandriss

Kreuzbandriss

Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung Das vordere Kreuzband ist hauptverantwortlich für die Stabilität des Knies und limitiert die Innenrotation des Schienbeines. Der Kreuzbandriss kommt beim Hund nicht primär durch ein traumatisches Ereignis zustande, sondern ist Folge eines chronischen Prozesses von Degeneration und Entzündung des Ligamentes. Die Degeneration führt zur verminderten Festigkeit des Bandes und es können Anrisse und ein Komplettriss entstehen. Die so erworbene Instabilität und Entzündung ist schmerzhaft und führt zu einer Arthrose im Kniegelenk. Manchmal kann die Instabilität auch zu einem Meniskusschaden führen. Die Erkrankung des vorderen Kreuzbandes ist ein chronischer Prozess, wenn auch die Lahmheit meist akut einsetzt. Ohne Behandlung kommt es häufig zur Besserung (Fibrosierung im Kniegelenk), aber die Lahmheit verschwindet nicht komplett. Kommt es zu einem Totalriss oder zu einem Meniskusschaden, verschlechtert sich die Lahmheit wieder dramatisch. Weil ein Schaden am Kreuzband auf einen degenerativen Prozess zurückzuführen ist, weisen viele Hunde innerhalb von ein bis zwei Jahren auch auf der anderen Seite einen Kreuzbandriss auf. Kreuzbandrisse kommen hauptsächlich bei grossen Hunden mittleren Alters vor, aber auch junge oder ältere Tiere können betroffen sein. Klinik Bei der Klinischen Untersuchung kann ein geschwollenes Knie und manchmal Krepitation im Kniegelenk festgestellt werden. Das Knie ist instabil und Strecken des Kniegelenkes ist schmerzhaft. Beim Sitzen rotieren die Hunde das Bein häufig zur Entlastung leicht nach aussen. Röntgenbilder zeigen Gelenkserguss und eventuell Arthrose. Das Kreuzband selber kann mit einer Arthroskopie oder mit CT/MRI Untersuchungen visualisiert werden. Die Klinik ist jedoch häufig so deutlich, dass direkt der Weg der Operation gewählt wird. Behandlung Um das Kniegelenk wieder zu stabilisieren gibt es verschiedene Operationsmethoden. Es können 3 grundsätzlich unterschiedliche Techniken angewendet werden
  • Intraartikuläre Technik mit Kreation eines neuen Ligamentes
  • Extrakapsuläre Technik (das Kniegelenk wird nicht eröffnet, es werden ausserhalb der Gelenkskapsel Massnahmen zu Erhöhung der Stabilität getroffen)
  • Biomechanische Techniken (durch Verschiebung oder Drehung des Schienbeinplateaus, werden die Kräfteeinwirkungen neutralisiert, so dass das Kniegelenk unter Belastung stabil ist (TPLO oder TTA Technik)
Welche Technik gewählt wird, muss situationsbezogen entschieden werden, Extrakapsuläre Techniken werden eher bei kleinen Hunden und Katzen eingesetzt, während Biomechanische Techniken eher bei grossen Hunden angewendet werden. Besteht ein Meniskusschaden, sollte das Kniegelenk eröffnet werden. Nach der Operation muss der Hund 2-3 Monate geschont werden. Die Bewegung wird über diesen Zeitraum langsam gesteigert, wobei Physiotherapie einen positiven Einfluss auf die Regeneration hat. Prognose Grundsätzlich ist die Prognose nach der Operation gut, eine Arthrose im Kniegelenk kann aber fortschreitend sein. Ohne Operation, nur mit konservativer Therapie kann es zwar zur Verbesserung der Lahmheit kommen, in der Regel werden die Hunde aber nie ganz lahmheitsfrei und es kommt zu einer deutlichen Arthrosebildung.
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