Unser Berner Sennenhund

Die Geschichte des Berner Sennenhundes

Als kurz nach Beginn dieses Jahrhunderts ein bescheidener Berner Kaffeewirt einige Freunde dazu überredete, ihre «Dürrbächlerhunde» an einer Berner Hundeschau  vorzuführen, ahnte er wohl nicht im entferntesten, dass diese schlichten Bauernhunde dereinst ihren Weg in alle Welt hinaus machen würden. Die schmucke Erscheinung und das freundliche spontane Wesen haben Tausende von Hundefreunden für sie eingenommen.

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Bestimmt durch seinen Verwendungszweck ist in der Berner Landschaft ein Hund geschaffen worden, von dem sein grosser Förderer, Prof. A. Heim, schon 1914 sagen konnte: «Mir scheint, der gute Berner Sennenhund ist durch sein Ebenmass in jeder Richtung und seine herrliche Farbe und Farbzeichnung eigentlich wohl der schönste Hund den es gibt.»

Wir müssen uns damit zufrieden geben, festzustellen, dass der Berner Sennenhund seit der Jahrhundertwende aus bernischen Bauernhunden herausgezüchtet worden ist, deren Ursprung und Alter und auch die Verwandlungen im Verlaufe der Geschichte niemand mehr weiss. Vieles lässt vermuten, dass die Rasse alt, sehr alt ist und wohl auch ganz auf dem hiesigen Boden gewachsen, doch niemand weiss, wie alt.

Ein kleiner Weiler gibt dem Hund den Namen – Ein Gebiet, das besonders spät durch Schiene und Strassen an die Umwelt angeschlossen wurde, ist das Ländchen Schwarzenburg, das südlich von Bern gegen die Gantrischkette ansteigt. Wie im Emmental, finden wir auch hier die verstreuten Einzelhöfe und zogen früher die Küher zwischen Alpen und Niederungen hin und her. Doch ist das Klima hier rauh, die Landschaft durch tiefe Flussläufe zerschnitten. In dieser Landschaft liegt der Weiler Dürrbach, der dem «Dürrbachhund» oder «Dürrbächler» den Namen gegeben hat. Dürrbach, ein kleiner Weiler, welcher früher zur Gemeinde Riggisberg gehörte, besteht selbst nur aus Wirtschaft und Bauernhof.

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Prof. Dr. Alber Heim

Der Wirt, namens Hofmann, der Kuhrechte auf den Alpen Talberg, Nünenen und Gurnigel besass, habe selber solche Hunde als Haus- und Treibhunde besessen. So kam es, dass die vorbeiziehenden Berner Metzger, die Milchhändler, Handwerker und Gärtner, die sich im Wirtshaus gute Hunde für den Zugdienst an ihren Karren erhandelten, diese Hunde bald einfach «Dürrbachhunde» nannten. Von Bern aus ist der Name «Dürrbächler» dann für die grossen, starken dreifarbigen Zug-, Treib, und Wachhunde im weiteren Kanton herum zum Begriff geworden.

Als eigentlicher Initiant zur Förderung dieser bisher in Kynologenkreisen unbekannten Rasse muss Fritz Probst (1867-1945) betrachtet werden. Er war ein grosser Tierfreund und züchtete Jagdhunde. Deshalb hatte er sich der «Berna» angeschlossen und war wohl so mit allen Fragen um Rassehunde, die man damals diskutierte, vertraut geworden. Die «Dürrbächler» hatte er nicht nur bei seinen Streifzügen durch die Waldungen des Gurnigel- und Giebeleggebietes auf den abgelegenen Gehöften kennengelernt, er traf sie auch recht häufig in der Stadt, wo sie als Zughunde ihren Dienst versahen. Diese Rasse hatte er von Kind auf ganz besonders in sein Herz geschlossen. – Im Kreise der «Berna» fand Probst für seinen Gedanken, den «Dürrbachhune» zu fördern und der Reinzucht zuzuführen, die nötige Unterstützung. An der Internationalen Hundeausstellung in Bern 1904, die die «Berna» mit grossem Aufwand durchführte, wurde erneut eine Versuchsklasse für «Schweizerische Hirtenhunde, Appenzeller Sennenhunde und Dürrbachhunde», ausgeschrieben. Diesmal erschienen sechs Hunde, wiederum alle aus Bern und Umgebung, mit Ausnahme des Hundes «Phylax», den ein junger Tierarzt und Schäferhundezüchter mitgebracht hatte. Richter war Probst. Vier Hunde wurden mit Preisen ausgezeichnet und deshalb in Band 9 (1907) des Schweizerischen Hundestammbuches eingetragen.

Diese Ausstellung muss als der entscheidende Durchbruch betrachtet werden. Nicht nur fanden die Dürrbachhunde erstmals öffentliche Beachtung in der Kynologiewelt, sondern sie wurden von einigen Hundefreunden ins Herz geschlossen, die die Reinzucht nun an die Hand nehmen wollten. Dies waren in erster Linie einige Fabrikanten und Geschäftsleute von Burgdorf, die sich aus dem dortigen Handels- und Industrieverein kannten und zur Elite des kleinen Städtchens gehörten. Mit anderen Hunderassen, wie Bernhardinern, Neufundländern, usw. hatten sie bereits Zuchterfahrungen gesammelt und sich dem «Berna»-Kreis angeschlossen. Im «Dürrbächler» erkannten sie den Hund wieder, der früher auch um Burgdorf herum verbreitet gewesen war und dort geschätzt wurde. So beschlossen sie, sich Zuchthunde anzuschaffen und die Rasse neu aufzubauen.

Schon 1908 konnte der «Dürrbach-Klub» an der Internationalen Jubiläumsausstellung zum 25-jährigen Bestehen der SKG dem Sennenhundrichter Prof. Heim 22 Dürrbachhunde vorstellen, wovon rund die Hälfte aus den Stämmen der Burgdorfer Züchter stammten und die anderen neu aufgefunden worden waren. Damit hatte der «Dürrbächler» seinen Platz unter den anerkannten Hunderassen gefunden und sein Fortbestand war gesichert.

In Langenthal schlug Heim dem jungen Klub vor, den Hund, in Angleichung an die anderen schweizerischen Sennenhunde, doch «Berner Sennenhund» zu nennen, was bei den Burgdorfer und Berner Züchtern jedoch zunächst auf heftigen Widerstand stiess. Der Name ihrer «Lieblinge» sei «Dürrbachhunde», wurde vom Klub in der Tierbörse bekanntgegeben. Erst 1913 gaben sie dem Drängen der SKG nach. Für die Berner Bevölkerung ist er bis heute der «Dürrbächler» geblieben. Als «Berner Sennenhund» aber hat er sich im Laufe der Jahre nicht nur in Europa, sondern auch auf anderen Kontinenten Freunde gemacht.

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