Infos zu Krankheiten

Kreuzbandriss


Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung
Das vordere Kreuzband ist hauptverantwortlich für die Stabilität des Knies und limitiert die Innenrotation des Schienbeines. Der Kreuzbandriss kommt beim Hund nicht primär durch ein traumatisches Ereignis zustande, sondern ist Folge eines chronischen Prozesses von Degeneration und Entzündung des Ligamentes. Die Degeneration führt zur verminderten Festigkeit des Bandes und es können Anrisse und ein Komplettriss entstehen. Die so erworbene Instabilität und Entzündung ist schmerzhaft und führt zu einer Arthrose im Kniegelenk. Manchmal kann die Instabilität auch zu einem Meniskusschaden führen. Die Erkrankung des vorderen Kreuzbandes ist ein chronischer Prozess, wenn auch die Lahmheit meist akut einsetzt. Ohne Behandlung kommt es häufig zur Besserung (Fibrosierung im Kniegelenk), aber die Lahmheit verschwindet nicht komplett. Kommt es zu einem Totalriss oder zu einem Meniskusschaden, verschlechtert sich die Lahmheit wieder dramatisch. Weil ein Schaden am Kreuzband auf einen degenerativen Prozess zurückzuführen ist, weisen viele Hunde innerhalb von ein bis zwei Jahren auch auf der anderen Seite einen Kreuzbandriss auf. Kreuzbandrisse kommen hauptsächlich bei grossen Hunden mittleren Alters vor, aber auch junge oder ältere Tiere können betroffen sein. Klinik
Bei der Klinischen Untersuchung kann ein geschwollenes Knie und manchmal Krepitation im Kniegelenk festgestellt werden. Das Knie ist instabil und Strecken des Kniegelenkes ist schmerzhaft. Beim Sitzen rotieren die Hunde das Bein häufig zur Entlastung leicht nach aussen. Röntgenbilder zeigen Gelenkserguss und eventuell Arthrose. Das Kreuzband selber kann mit einer Arthroskopie oder mit CT/MRI Untersuchungen visualisiert werden. Die Klinik ist jedoch häufig so deutlich, dass direkt der Weg der Operation gewählt wird. Behandlung
Um das Kniegelenk wieder zu stabilisieren gibt es verschiedene Operationsmethoden. Es können 3 grundsätzlich unterschiedliche Techniken angewendet werden Intraartikuläre Technik mit Kreation eines neuen Ligamentes Extrakapsuläre Technik (das Kniegelenk wird nicht eröffnet, es werden ausserhalb der Gelenkskapsel Massnahmen zu Erhöhung der Stabilität getroffen) Biomechanische Techniken (durch Verschiebung oder Drehung des Schienbeinplateaus, werden die Kräfteeinwirkungen neutralisiert, so dass das Kniegelenk unter Belastung stabil ist (TPLO oder TTA Technik)
Welche Technik gewählt wird, muss situationsbezogen entschieden werden, Extrakapsuläre Techniken werden eher bei kleinen Hunden und Katzen eingesetzt, während Biomechanische Techniken eher bei grossen Hunden angewendet werden. Besteht ein Meniskusschaden, sollte das Kniegelenk eröffnet werden. Nach der Operation muss der Hund 2-3 Monate geschont werden. Die Bewegung wird über diesen Zeitraum langsam gesteigert, wobei Physiotherapie einen positiven Einfluss auf die Regeneration hat. Prognose
Grundsätzlich ist die Prognose nach der Operation gut, eine Arthrose im Kniegelenk kann aber fortschreitend sein. Ohne Operation, nur mit konservativer Therapie kann es zwar zur Verbesserung der Lahmheit kommen, in der Regel werden die Hunde aber nie ganz lahmheitsfrei und es kommt zu einer deutlichen Arthrosebildung.




Epilepsie (Krampfanfälle)


Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, eh. Mitglied der GeKo des KBS-CH
Einleitung
Krampfanfälle oder Epileptiforme Anfälle sind plötzlich auftretende unkontrollierte Elektrische Entladungen von Nervenzellen, gekennzeichnet durch Bewusstseinsverlust und unkontrollierten Bewegungen. Die Anfälle dauern wenige Sekunden bis mehrere Minuten. Von Krampanfällen unterscheiden sollte man Synkopen, ein kurzzeitiger Bewusstseinsverlust durch akuten Sauerstoff- oder Blutzuckermangel im Gehirn, meist ausgelöst durch eine Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörungen. Bei Synkopen kommt es nur zum Bewusstseinsverlust ohne krampfartigen Muskelzuckungen.
Ursachen für Krampfanfälle können in drei Kategorien eingeteilt werden
• Krampanfälle ausgelöst durch Strukturelle Veränderungen im Gehirn
• Krampfanfälle ausgelöst durch Stoffwechselerkrankung oder Vergiftung (Metabolische Störung)
• Krampfanfälle ohne erkennbare Ursache (Idiopathische Epilepsie)
Strukturelle Veränderungen im Gehirn umfassen angeborene Erkrankungen (z.B. Wasserkopf), Tumore, Infektionen oder Entzündungen, Trauma und Durchblutungsstörungen. Liegt eine Neurologische Grundursache vor, sind neben den Anfällen häufig auch andere Neurologischen Symptome wie z.B. Gangstörungen, Ausfälle von Gehirnnerven oder Verhaltensänderungen zu erkennen.
Stoffwechselstörungen assoziiert mit Krampfanfällen beinhalten schwere Leber- oder Nierenerkrankungen, Elektrolytstörungen, Unterzuckerung, hoher Blutdruck oder hormonelle Erkrankungen. Eine grosse Anzahl von Giften (z.B. Metaldehyd in Schneckenkörner) können auch zu Krampfanfällen führen.
Die Idiopathische Epilepsie hat eine genetische Komponente und tritt familiär gehäuft auf. Eine genetische Veranlagung wurde für Deutsche Schäferhunde, Beagel, Retriever, Berner Sennenhunde und Boxer nachgewiesen, aber auch andere Rassen und Mischlinge können daran erkranken. Rüden sind häufiger betroffen als Hündinnen. Der erste Anfall tritt meistens in einem Alter zwischen 6 Monaten und 4 Jahren auf.
Das Alter und die Rasse des Hundes, die Neurologische Untersuchung und das Beschreiben der Anfälle können wichtige Hinweise auf die Grundursache geben.
Klinik
Einige Hunde zeigen bevor sie einen Epileptiformen Anfall zeigen auffälliges Verhalten wie Hyperaktivität, Rastlosigkeit oder sie verstecken sich. Dies nennt man Präiktale Phase oder Aura, sie ist nicht bei allen Tieren erkennbar.
Während einem generalisierten Anfall verlieren die Tiere das Bewusstsein und sind nicht ansprechbar. Sie können umfallen, die Beine sind steif gestreckt oder zeigen Ruderbewegungen. Kaubewegungen, speicheln sowie urinieren und Kotabsatz kann oft während eines Anfalles beobachtet werden. Die Dauer und Heftigkeit der Anfälle ist individuell, meistens dauert ein Anfall mehreren Sekunden bis 15 Minuten.
Es gibt auch fokale Epianfälle, dabei sind die Tiere häufig nur desorientiert und es treten Muskelzuckungen im Gesicht oder an einzelnen Gliedmassen auf. Auch hier kann speicheln vorkommen.
Nach einem Anfall im postiktalen Zustand können die Hunde kurzzeitig blind sein, oft haben sie starken Hunger, einige sind hyperaktiv und andere sehr müde. Die postiktale Phase kann wenige Minuten bis 24 Stunden dauern.
Serienanfälle oder sehr lange Anfälle stellen durch Verkrampfung der Atemmuskulatur, der enormen Muskelaktivität und der Überhitzung (Hyperthermie) eine lebensbedrohende Situation dar und es muss notfallmässig ein Tierarzt aufgesucht werden.
Diagnose
Die Diagnose Epilepsie kann anhand der Klinik gestellt werden. Um herauszufinden, ob sich eine Grunderkrankung dahinter verbirgt, sind aber Blutuntersuchungen und Bildgebende Diagnostik (MRI) nötig. Um Entzündliche oder Infektiöse Hirnerkrankungen festzustellen, ist es manchmal auch hilfreich den Liquor (Flüssigkeit die das Hirn umgibt) zu untersuchen.
Sind alle Untersuchungen normal, kann die Verdachtsdiagnose Idiopatische Epilepsie gestellt werden. Behandlung
Wenn eine Grundursache gefunden werden kann, muss diese spezifisch behandelt werden. Abhängig von der Häufigkeit, der Dauer und der Heftigkeit von Anfällen müssen Medikamente (meistens Phenobarbital oder Kaliumbromid) eingesetzt werden um die Krämpfe zu kontrollieren. Die Medikamente müssen in der Regel lebenslang gegeben werden und zeigen Nebenwirkungen wie Müdigkeit und gesteigerten Appetit. Langfristig kann es auch zu Leberschäden kommen. In der Regel wird eine Behandlung begonnen, wenn ein Anfälle häufiger als alle 6-8 Wochen auftreten, mehrere Anfälle innerhalb 24 Stunden vorkommen oder eine unterliegende Grundursache nicht behoben werden kann. Es braucht regelmässige Blutkontrollen um die Medikamenteneinstellung und mögliche Nebenwirkungen zu überprüfen.
Prognose
Wenn eine allfällige Grundursache behoben werden kann, ist die Prognose gut. Bei der Idiopathischen Epilepsie ist die Prognose in der Regel gut, wenn die Anfälle mit den Medikamenten kontrolliert werden können. Es gibt jedoch sehr hartnäckige Falle, die schlecht auf Medikamente ansprechen. Häufig müssen solche Patienten mit mehreren Tabletten gleichzeitig behandelt werden oder es kommen teure Medikamente aus der Humanmedizin zum Einsatz. Bei einigen Hunden sind die Anfälle trotz allem nicht zu kontrollieren.




Magendrehung


Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung
Bei der Magendrehung handelt es sich um eine Aufgasung und Abdrehung des Magens. Dadurch wird der Mageneingang verschlossen und das sich immer mehr ansammelnde Gas, kann nicht mehr entweichen. Durch die massive Vergrösserung des Magens, wird das Zwerchfell nach vorne gedrückt und die Lungenkapazität wird eingeschränkt. Zudem wird der Blutrückfluss zum Herzen vermindert, was den Kreislauf massiv schwächt und zu einem Sauerstoffmangel in den Organen führen kann.
Es bestehen viele Hypothesen über auslösende und begünstigende Faktoren. Der Magen hat insbesondere bei grossen Hunderassen eine relativ grosse Bewegungsfreiheit im Bauchraum und je nach Füllungszustand variiert seine Lage. Stressgeschehnisse, eine verminderte Magenmotorik und eine verzögerte Magenentleerung können Einfluss nehmen. Fütterung in erhöhter Position sowie Futterbestandteile und eine reichliche Fütterung direkt nach oder vor intensiver Bewegung spielen möglicherweise eine Rolle. Andere Studien zeigen aber, dass eher ruhige als temperamentvolle Hunde betroffen sind. Ältere Hunde erkranken eher häufiger, dies steht eventuell im Zusammenhang mit der Dehnung der Magenbänder im Alter. Es besteht subjektiv der Eindruck, dass bei schwüler Witterung vermehrt Magendrehungen auftreten.
Klinik
Die Magendrehung ist eine akut auftretende Krankheit. Betroffene Tiere zeigen Unwohlsein, häufig versuchen sie erfolglos zu erbrechen, manchmal würgen sie etwas Schleim hervor. Auffällig ist eine zunehmende Aufblähung, welche häufig hinter dem Rippenbogen erkennbar ist. Eine Kreislaufschwäche ist an blassen Schleimhäuten und an einem schnellen Herzschlag und schwachem Puls zu erkennen. Der Zustand des Hundes verschlechtert sich innert kurzer Zeit stark, häufig kommt es zu einem Kreislaufkollaps. Die Magendrehung ist ein lebensbedrohlicher Notfall!
Behandlung
Stellen Sie bei Ihrem Hund die oben genannten Symptome fest, müssen Sie unbedingt innert kürzester Zeit einen Tierarzt aufsuchen. Als lebensrettende Notfallmassnahme werden sofort Infusionen verabreicht. Der Magen kann mit einer Kanüle punktiert werden, wodurch ein Teil des Gases entweichen kann. Sobald die Kreislaufsituation es zulässt, muss der Hund operiert werden. Dabei wird der Magen abgegast und zurückgedreht. Anschliessend wird der Magen an der rechten Bauchwand angenäht. Damit verhindert man eine erneute Drehung. Werden Tiere nicht sofort behandelt, kann die Blutzufuhr zum Magen durch Abreissen von Gefässen so stark gestört sein, dass Teile oder die ganze Magenwand absterben. Eine Herzrhythmusstörung ist eine weitere mögliche Komplikation, die während oder in den ersten Tagen im Anschluss an eine Magendrehung auftreten kann.




Glomerulopathie


Nierenerkrankung mit Eiweissverlust (Glomerulopathie) Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, eh. Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung
Das Nierenkörperchen (Glomerulum) ist eine funktionelle Struktur der Niere, die für das Filtrieren des Blutes zuständig ist. Sind die Filter geschädigt, können wertvolle Stoffe wie Eiweisse verloren gehen.
Nierenerkrankungen mit Eiweissverlust umfassen Entzündungen der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis), erblich bedingte Erkrankungen der Nierenkörperchen (Glomerulopathie), und Ablagerungen von Entzündungsprodukten in der Niere (Amyloidose).
Entzündungen der Nierenkörperchen können durch verschiedene Erkrankungen ausgelöst werden. Der Schaden an der Niere wird durch eine Reaktion des Immunsystems auf Infektionen, Entzündliche Prozesse oder Tumore ausgelöst. Eine Entzündung der Nierenkörperchen kann auch Teil einer systemischen Immunerkrankung (wie zB. Lupus erythematosus) sein. In etwa der Hälfte der Fälle kann die unterliegende Krankheit nicht gefunden werden. Durch die Immunantwort werden Immunkomplexe (Antikörper-Antigenverbindungen) im Nierenkörperchen abgelagert, was zu einer Schädigung des Filtersystems führt, dadurch können Eiweisse verloren gehen. Mit der Zeit ist der Schaden auf die gesamte Niere übergreifend und es kommt zu einer Niereninsuffizienz, das heisst Giftstoffe aus dem Körper können nicht mehr richtig ausgeschieden werden. Einige Hunderassen zeigen eine Prädisposition zu Imunbedingten Glomerulopathien, zu diesen Rassen gehören unter anderem Berner Sennenhunde, Beagle, Cocker Spaniel und Rottweiler.
Amyloidose, eine andere Form einer Nierenkörperchenerkrankung wird ausgelöst durch Ablagerung von speziellen Entzündungsproteinen im Filtersytem des Glomerulums. Diese Erkrankung kommt gehäuft bei Shar-Pei, Beagle und Abesinierkatzen vor. Klinik
Die Klinischen Anzeichen entwickeln sich erst einige Zeit nach Krankheitsbeginn. Typische Anzeichen sind Gewichtsverlust, vermehrter Wasserkonsum und Urinabsatz, schlechte Fresslust und Apathie. Mit deutlichem Eiweissverlust können Unterhautsödeme oder Flüssigkeitsansammlung im Bauch (Bauchwassersucht) auftreten. Diagnose
Mit Blut- und Urinuntersuchungen kann man feststellen, ob eine Nierenerkrankung mit Eiweissverlust vorliegt. Um den Auslöser dieses Krankheitssymptoms zu finden braucht es allerdings häufig aufwändige Untersuchungen, trotz denen teilweise die Grundursache nicht eruiert werden kann. Eine Nierenbiopsie kann Auskunft geben über Art und Grad der Nierenschädigung. Behandlung
Tiere mit Eiweissverlust über die Niere sollten mit einem Nierendiätfutter gefüttert werden, um den Proteinverlust möglichst gering zu halten. Mit Medikamenten (ACE-Hemmer) kann man den Blutdruck in der Niere stabilisieren und so auch für einen geringeren Eiweissverlust sorgen. Aspirin in sehr tiefer Dosierung oder andere Antithrombotische Mittel werden eingesetzt als Thromboseprophylaxe, weil das Risiko für ein Blutgerinnsel bei dieser Erkrankung erhöht ist. Wenn die Grundursache gefunden werden kann, muss natürlich diese behandelt werden. Prognose
Werden die Tiere behandelt und gut überwacht, verlangsamt dies das Fortschreiten der Erkrankung. Einige Hunde können recht gut stabilisiert werden. Beginnt allerdings die Niere ihre Funktion zu verlieren und kommt es zu einer Niereninsuffizienz und die Überlebenszeit verkürzt sich auf einige Wochen bis Monate.




Leptospirose


Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung
Die Leptospirose ist eine bakterielle Infektionserkrankung, ausgelöst von verschiedenen Typen von Leptospiren-Bakterien. Schutz gegen zwei Untertypen (Leptospira icterohämorrhagia und Leptospira canicola) ist in der Kombinationsimpfung enthalten, aber in letzter Zeit breiten sich andere Untertypen in unseren Breitengraden aus, gegen welche noch keine Impfungen vorhanden sind. Neben Hunden, erkranken auch Nutztiere und Nagetiere und Menschen an diesen Bakterien. Leptospirose ist eine Zoonose, das heisst Menschen können von Tieren angesteckt werden! Leptospiren werden über den Urin ausgeschieden und können in der Umwelt in stehenden Gewässer oder Pfützen überleben. Hunde können sich anstecken, wenn sie verseuchtes Wasser trinken oder durch direkten Kontakt zu Urin von kranken Hunden oder Nagetieren. Ausbrüche der Krankheit können häufig während oder nach längeren Regenperioden festgestellt werden. Deswegen ist besonders dann, bei Hunden die schlechte Fresslust haben und erbrechen, auch immer an eine Leptospirose zu denken! Leptospiroseinfektionen befallen fast immer die Nieren, was zu einem akuten Nierenversagen führt. Sie können aber auch die Leber und andere Organe beeinträchtigen. Besonders Lungenblungen sind gefürchtet. Neben einer Infektion mit Leptospiren, können auch Toxine (Frostschutzmittel, Medikamente, Trauben) oder eine starke Minderdurchblutung der Niere (Schock) eine Akute Niereninsuffizienz auslösen. Klinik
Sehr akut verlaufende Infektionen können zum Schock und plötzlichem Tod führen. Häufiger haben die Tiere aber Fieber und erkranken an einer akuten Niereninsuffizienz. Symptome sind dann Apathie und verminderten Appetit, manche Tiere trinken sehr viel und setzen viel Urin ab. Ist die Niere stark geschädigt, kann es aber auch sein, dass sie nicht mehr fähig ist Urin zu produzieren. Durch die verminderte Nierenfunktion kommt es zu einer Ansammlung von Giftstoffen im Blut (Urämie), dies führt zu urämisch stinkenden Maulgeruch und ist häufig auch Grund für Erbrechen. Bei starker Beeinträchtigung der Leber kommt es zu einer Gelbsucht (gelbe Schleimhäute und Skleren). Diagnose
Blut- und Urinuntersuchungen zeigen Schaden an Nieren und Leber. Um die Leptospiren nachzuweisen untersucht man das Blut auf Antikörper. Zu Beginn der Krankheit kann der Test noch negativ ausfallen, steigen die Antikörper jedoch innerhalb von 2 Wochen deutlich an, ist die Diagnose gesichert. Behandlung und Prognose
Um die Leptospiren abzutöten, müssen spezielle Antibiotika eingesetzt werden. Infusionen und andere Unterstützende Massnahmen sind sehr wichtig um die Zeit zu überbrücken, bis die Niere sich erholt und Ihre Funktion wieder aufnehmen kann. Ist die Niere sehr stark geschädigt, ist teilweise sogar eine Dialyse notwendig. Bei etwa 25% der erkrankten Tieren verläuft die Infektion tödlich. Frühzeitige und Intensive Behandlung erhöht die Chance auf vollständige Heilung, es können aber auch gewisse Beeinträchtigung von Nieren- und Leberfunktion bestehen bleiben. Hospitalisierung, Infusionen und intensives Monitoring sind deshalb für die Prognose sehr wichtig. Da es sich um eine Zoonose handelt, sollten im Umgang mit kranken Tieren Handschuhe getragen werden.




Maligne Histiozytose


Histiozytäres Sarkom/Maligne Histiozytose Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung
Histiozyten sind Abwehrzellen, die in vielen Organen im Körper und in der Haut vorkommen. Bei der Malignen Histiozytose entarten diese Zellen tumorös. Die Krebszellen können sich infiltrativ in den Organen ausbreiten (Maligne Histiozytose = disseminiertes Histiozytäres Sarkom), oder es können solide Tumorknoten entstehen (Lokalisiertes Histiozytäres Sarkom), die aber auch Metastasen bilden können. Dieser Tumor kommt bei einigen Hunderassen gehäuft vor, unter anderem bei Berner Sennenhunden, bei Flat Coat Retrievern und bei Rottweiler. Klinik
Wie bei vielen Krebserkrankungen sind die Symptome meist unspezifisch. Die betroffenen Hunde zeigen häufig Appetitlosigkeit, Schwäche, Fieber und Gewichtsverlust. Einige Hunde haben vergrösserte Lymphknoten, ebenso können Leber und Milz vergrössert sein. Häufig sind auch Lunge und oder Gelenke betroffen, was dann zu erschwerter Atmung und Husten oder einer Lahmheit führen kann.
Diagnose
Um das Krankheitsbild zu erfassen und eine Diagnose zu stellen, müssen Blutuntersuchungen gemacht werden, Röntgenbilder der Lunge angefertigt werden und eine Ultraschalluntersuchung vom Bauch durchgeführt werden. Verdächtige Organe werden dann biopsiert oder mit einer feinen Nadel angestochen um eine zytologische Untersuchung durchzuführen.
Prognose
Die Prognose bei einer Malignen Histiozytose ist abhängig welche Organe alle mitbetroffen sind, sie ist aber insgesamt leider sehr schlecht. Ein einzelner Tumor im Unterhautgewebe kann chirurgisch entfernt werden. Sind allerdings Metastasen vorhanden oder liegt eine disseminierte Form vor, kann nur mit Chemotherapie behandelt werden. Es existieren verschiedene Chemotherapieprotokolle, aber trotz Therapie ist die Überlebenszeit häufig nicht lange. An weiteren Therapieansätzen wird geforscht.




Hot Spot


Pyotraumatische Dermatitis (Hot Spot) Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, Mitglied der GeKo des KBS-CH Einleitung
Ein Hotspot ist eine nässende, schmierige, klar abgegrenzte Stelle im Fell, die sehr stark juckt. Die Haut des betroffenen Areals ist gerötet. Eine Pyotraumatische Dermatitis entsteht meist durch Lecken, Kratzen oder Beknabbern einer Hautstelle (Automutilation) und ist Folge von hochgradigem Juckreiz an einer bestimmten Körperstelle. Der ursprüngliche Reiz kann durch eine Flohbiss- oder andere Allergie gesetzt werden. Auch Zecken, reizende Substanzen oder kleine Verletzungen können Auslöser sein. Es handelt sich um eine Ansiedlung von Bakterien der entzündeten Hautoberfläche. Durch die Traumatisierung können innert kurzer Zeit grossflächige nässende Stellen entstehen. Hauptsächlich sind Hunde mit langem und dichtem Fell wie z.B. Berner Sennenhunde betroffen. Feuchtes und warmes Klima begünstigt das Auftreten. Das Klinische Bild erlaubt die Diagnosestellung, die durch eine Zytologische Untersuchung bestätigt werden kann. Eine Bakteriologische Untersuchung mit Antibiotikaresistenztest ist selten notwendig. Behandlung
Die Behandlung besteht in einer Lokalen Therapie wie Ausscheren, waschen und desinfizieren der betroffenen Stelle. Lecken oder Reiben an der Stelle muss unbedingt vermieden werden. Ist die Läsion schon fortgeschritten, sollte Antibiotika eingesetzt werden. Oft hilft auch eine kurzwirksame Kortisonspritze zur Stillung des enormen Juckreizes. Es darf nicht vergessen werden nach Grundursachen zu suchen und diese zu behandeln.




Degenerative Myelopathie


Degenerative Myelopathie (DM) Dr. med. vet. Flurina Salis, Tierklinik AW, eh. Mitglied der GeKo des KBS-CH
Einleitung
Die degenerative Myelopathie des Hundes ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung. Sie wurde erstmals vor 40 Jahren beim Deutschen Schäferhund beschrieben, aber mittlerweile ist sie auch bei vielen anderen, vorwiegend grossen, Hunderassen bekannt und histologisch nachgewiesen. Auch der Berner Sennenhund ist betroffen. Das Vorkommen der DM in der gesamten Hundepopulation beträgt etwa 0.2%. Klinik
Die Symptome beginnen bei mittelalten- bis alten Hunden und umfassen anfänglich eine Störung der Bewegungskoordination und Schwäche in der Hinterhand. Die Störung kann zu Beginn einseitig betont sein. Mit dem Fortschreiten der Krankheit haben die Hunde zunehmend Mühe beim Laufen und es kommt zur vollständigen Lähmung der Hintergliedmassen. Die neurologischen Veränderungen breiten sich weiter auch auf die Vordergliedmassen aus. Im Weiteren kommt es zu Schluckstörungen und Harn – und Kotinkontinenz und letztendlich kann auch die Atemmuskulatur gelähmt werden. Die betroffenen Hunde zeigen keine Schmerzen und das Bewusstsein ist ungestört. Aber aufgrund der massiven Symptome müssen die Hunde häufig innerhalb eines Jahres eingeschläfert werden. Diagnose
Anhand der klinischen Symptome kann die Verdachtsdiagnose Degenerative Myelopathie gestellt werden, mit MRI oder CT können andere neurologischen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden. Die definitive Diagnose Degenerative Myelopathie kann nur mit einer histologischen Untersuchung (Gewebeschnitt) des Rückenmarks gestellt werden. Das heisst, es gibt keinen verlässlichen Test um die Diagnose am lebenden Tier zu stellen. Therapie
Leider gibt es keine wirksamen Medikamente, die zur Therapie von DM eingesetzt werden können. Physiotherapie scheint die Progression etwas zu verlangsamen. Ursache
Bei der Degenerativen Myelopathie handelt es sich um einen Abbau der Nervenzellfortsätze im Rückenmark. Die Zerstörung der Nervenleitungsbahnen hat einen Funktionsverlust von der Berührungswahrnehmung (Sensorik), der Orientierung im Raum (Propriozeption) und der Bewegung (Motorik) zur Folge. Im Gewebeschnitt sind typische Veränderungen an den Nervenzellfortsätzen in der weissen Substanz des Rückenmarks zu erkennen. Weshalb es zum Abbau des Nervengewebes kommt ist noch nicht vollständig geklärt. Immunologische oder toxische Grundursachen, sowie Stoffwechselerkrankungen oder Schädigungen durch freie Radikale (Abbauprodukte im Zellstoffwechsel) werden diskutiert. Das vermehrte Auftreten bei einigen Hunderassen und eine familiäre Häufung innerhalb der Rassen lässt eine genetische Ursache vermuten.
Die amyotrophe Lateralsklerose beim Menschen ist eine degenerative Erkrankung des Rückenmarks, die zu ähnlichen neurologischen Ausfällen und histologischen Veränderungen wie bei der DM beim Hund führt. Bei etwa 20% der Patienten mit familiärer ALS wurde eine Mutation im Gen für das SOD1 Protein gefunden. Das SOD1 Protein hat zur Aufgabe schädigende freie Radikale zu binden. Durch eine Mutation kommt es zu einer Strukturveränderung des Proteins, wonach die Proteine miteinander verklumpen und ihre Funktion nicht mehr ausüben können. Diese Verklumpungen können mittels einer speziellen Färbung im Gewebeschnitt dargestellt werden.
Beim Hund konnte ebenfalls eine Mutation an einer bestimmten Stelle auf dem Gen für das SOD1 Protein gefunden werden. Hunde, die die Mutation nur einmal vorweisen (A/N) sind Träger. Selber erkranken sie in der Regel nicht, sie können die Mutation aber an Nachkommen weitergeben. Tritt diese Mutation doppelt auf (A/A) besteht ein Risiko, dass das entsprechende Tier an DM erkrankt. Es handelt sich aber um einen Erbgang mit inkompletter Penetranz. Dies bedeutet, dass lange nicht alle Tiere mit (A/A) erkranken. Gentest
Die spezifische Mutation auf dem Gen für das SOD 1 Protein kann mittels Gentest aufgedeckt werden. In USA wurde der Gentest bei einer grossen Anzahl Berner Sennenhunde durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass 12% die Mutation doppelt vorweisen, 48% Träger sind und lediglich 40% frei von dieser Mutation sind. Zum jetzigen Zeitpunkt existieren noch keine vergleichenden Untersuchungen in Europa. Die GeKo ist daran interessiert, den Gentest mit Blutproben von Schweizer Berner Sennenhunden durchzuführen, um Informationen über die Situation in der hiesigen Population zu bekommen.
In neueren Wissenschaftlichen Untersuchungen wurden aber auch mehrere Fälle von Berner Sennenhunden mit negativem Gentest (N/N), welche trotzdem an DM erkrankt sind, dokumentiert. Es ist davon auszugehen, dass die Mutation, die im Gentest nachgewiesen wird, nicht die einzige Mutation ist, die zu DM führt. Beim Menschen mit ALS sind mehr als 145 verschiednene Mutationen im SOD1 Gen bekannt, die mit der Erkrankung assoziiert sind.
Der positive Gentest hilft nicht bei der Diagnosestellung DM, dazu braucht es einen Gewebeschnitt. Ein negativer Gentest kann die Erkrankung DM auch nicht ausschliessen. Aus diesem Grund empfiehlt die GeKo, die Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet zu unterstützen. Hingegen erachtet sie zuchthygienische Massnahmen (z.B. Zuchtausschluss von A/A Tieren) als verfrüht, gerade auch in Anbetracht der Resultate der Studie Rossetti-Klopfenstein.